TIP-Verlag, 29. Juli 2010
HR: Vorläufig kein Geld für Missbrauchsopfer der Odenwaldschule
Frankfurt/Main (ddp-hes). Die Odenwaldschule wird frühere Missbrauchsopfer zunächst nicht entschädigen. Der Schule fehle dazu das Geld, wie aus einem Schreiben des Vorstands an einen Anwalt der Opfer hervorgehe, berichtete der Radiosender HR-Info. In dem Schreiben des Schulvorstands heißt es, die Schule sei durch den Missbrauchsskandal in eine schwierige betriebswirtschaftliche Situation gekommen und sei im Augenblick überhaupt nicht in der Lage, eine finanzielle Entschädigung zu zahlen. Ein Sprecher des Schulvorstandes bestätigte auf ddp-Anfrage entsprechende Passagen.Man könne es nicht zulassen, dass 140 Arbeitsplätze massiv gefährdet und über 200 Schüler möglicherweise ihre Schule verlieren würden, weil kurzfristige Entschädigungsansprüche erfüllt werden sollten, zitierte der Sender ferner aus dem Schreiben. Der Sprecher des neuen Schulvorstandes, Johannes von Dohnanyi, sagte der Nachrichtenagentur ddp, dass es entsprechende Sätze in dem Brief an den Opferanwalt gebe. «Allerdings weisen wir in dem Schreiben gleichzeitig daraufhin, dass wir einen Anerkennungsfonds errichten möchten, um die Opfer zu entschädigen.»
Wann und in welchem Umfang dieser Fonds, der sich aus Spendengeldern zusammensetzen soll, bereitstehe, sei noch unklar. Dies sei nicht mit einer generellen Ablehnung von Entschädigungszahlungen gleichzusetzen, betonte von Dohnanyi. Es brauche aber Zeit, bis «alle juristischen, finanziellen und wirtschaftlichen Probleme dafür» gelöst seien. «Der neue Vorstand ist erst seit acht Wochen im Amt und muss die Versäumnisse der vergangenen Jahre aufarbeiten», fügte er hinzu.
In den vergangenen Monaten waren zahlreiche Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule bekannt geworden, hauptsächlich aus den 60er bis 90er Jahren. Zuletzt hatten die Juristen der Schule mehr als 70 Opfer gezählt, die sich gemeldet hatten. Beschuldigt wurden mehr als ein Dutzend Erzieher. Unter den beschuldigten Lehrern war auch der damalige Schulleiter Gerold Becker, der Anfang Juli nach langer Krankheit starb. Viele Fälle sind bereits verjährt.
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